Von der Muschel zum Knopf: Das Knopfmachermuseum in Kelbra

Exotische Muscheln im Südharz? Gibt’s wirklich! Nicht im Stausee und auch nicht in den vielen Kiesseen zwischen Berga und Nordhausen, sondern im Knopfmachermuseum in Kelbra. Das kleine Museum in der Stadt am Fuße des Kyffhäusers ist fast ein Geheimtipp, erinnert es doch an eine ganz besondere Industriegeschichte im Südharz: die Knopfmacherei, die Johann Friedrich Zierfuß aus Bad Frankenhausen nach Kelbra brachte. Er gründete 1830 die erste Perlmutterknopffabrik in der kleinen Stadt.

Homeoffice gab es auch schon früher

Das Knopfmachermuseum liegt gleich an der Georgii-Kirche. Es befindet sich im ältesten Haus der Stadt in der Thomas-Müntzer-Straße.  Seit dem Jahr 2000 erinnert dort der Förderkreis für Heimatgeschichte an ein Handwerk, das in Kelbra über 150 Jahre betrieben wurde. In der Stadt am Fuße des Kyffhäusers gab es zu Hochzeiten 40 größere und kleinere Knopfmacherfabriken, in denen  mehr als 700 Menschen beschäftigt waren – viele in Heimarbeit. Heute würde man Homeoffice sagen.

Dagmar Ernst begrüßt die Gäste in dem Museum, in dem auch an die Heimatgeschichte erinnert wird. „Es kommen vor allem Gäste von außerhalb“, berichtet die Museumsmitarbeiterin. Sie würde sich ein paar mehr Besucher wünschen. Zu sehen sind neben unzähligen Knöpfen aus Holz und Plaste auch Knöpfe aus Perlmutt und die dazu gehörigen exotischen Muscheln. „Die Muscheln wurden mit Schiffen aus Übersee nach Hamburg gebracht und dann über Kolonialwarengeschäfte verteilt“, berichtet sie.

Exotische Muscheln, so groß wie Untertassen, erinnern noch heute an die Zeit um die Jahrhundertwende, als die Knöpfe in den engen Wohnstuben an einer Drehbank hergestellt wurden. Im Museum gibt es eine vollständig eingerichtete Küche, die die Arbeitsbedingungen der vielen Heimarbeiter zeigt. Die glänzenden Muscheln bekamen die Heimarbeiter vom Fabrikanten zugeteilt.

Unter dem feinen Staub, der beim Drehen und Schleifen entstand, hatten alle Familienmitglieder zu leiden – schließlich wurde mitten in der Stube oder Küche gearbeitet. Schlechte Bezahlung und unregelmäßige Arbeitszeiten waren die Regel – eine Ausbildung gab es nicht. Um die Jahrhundertwende verdiente ein Knopfmacher pro Gros (das sind 144 Knöpfe) 30 Pfennige. Die Frauen nähten die Knöpfe auf Pappen – eine geübte Näherin schaffte drei bis vier Gros in der Stunde.  

Erst in den 1920er Jahren wurden die Knöpfe in maschinell eingerichteten Knopfbetrieben hergestellt. In den 1930er Jahren waren Muscheln dann Mangelware – so wurden Knöpfe aus Holz, Plexiglas und selbst aus Gips hergestellt.

Nach dem Krieg fuhren Knopfmacher aus Kelbra mit dem Fahrrad bis an die Oder, um Süßwassermuscheln für ihre Knopfproduktion zu organisieren.

Zu DDR-Zeiten wurde dann Plastik für die Knopfherstellung verwendet. Bis zur Einführung des Spritzgussverfahrens wurden diese Knöpfe immer noch in herkömmlicher Weise gebohrt, geschliffen und poliert. Die Maschinen können sich die Besucher anschauen.

Mit dem Ende der DDR endete dann im Juni 1991 auch die Knopfherstellung unter dem Kyffhäuser. Aber Knöpfe aus DDR-Zeiten gibt es in dem kleinen Museum immer noch zu kaufen.

So findet ihr das Knopfmachermuseum

Das Knopfmachermuseum liegt gleich an der Georgii-Kirche, in der Thomas-Müntzer-Straße 9 in Kelbra.

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 15 Uhr, am Mittwoch 10 bis 16 Uhr, an den Wochenenden nach Vereinbarung. Es sind auch Führungen möglich.

Telefon: 034651 /4 55 24

Eintritt:
Kinder: 2 Euro
Erwachsene: 3 Euro

Wart ihr schon mal in dem kleinen Museum in Kelbra? Schreibt mir doch dazu gern in den Kommentaren.

Der Text enthält unbezahlte Werbung. Alle Fotos stammen von mir.

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