Borkum: Tief im Westen, wo der Strand unendlich scheint

Wo fange ich bloß an? Also wenn ihr auf Borkum am nördlichen Strand steht, dann gibt es nur Weite. Die bunten Strandbuggys düsen in der Ferne über die scheinbar unendliche Sand-Fläche. Die Brandung der Nordsee kann ich auch bei Flut nur in der Ferne erahnen, so breit ist der Strand. Wenn ich mich umdrehe, blicke ich in die hohen Norddünen und sehe die Silhouette von Borkum-Stadt, die mich mit ihren alten viktorianischen Bauwerken ein wenig an ein englisches Seebad erinnert. Die Luft fühlt sich an diesem Juliwochenende angenehm warm und mild an. So ganz anders als auf dem Festland.

Blick auf Leuchtturm und Borkum-Stadt vom Strand aus.
Die Strandzelte sind typisch für Borkum und gibt es auch nur hier. Foto: Dr. Hans-Günther Bernstein

Die vier Tage Borkum sind meine Premiere. Und eindeutig zu kurz. Borkum ist nicht nur die größte der sieben Ostfriesischen Inseln, sondern auch die westlichste. Sie liegt rund 35 Kilometer in der offenen Nordsee und damit näher an den Niederlanden als am deutschen Festland. Borkum hat Hochseeklima, ein besonderes Reizklima, weshalb schon seit fast 150 Jahren Menschen mit Atemwegs- und Hauterkrankungen hier zur Kur fahren. Borkum ist staatlich anerkanntes Nordseeheilbad, verfügt über zahlreiche Kurhäuser und Kliniken und wurde 2013 als erste Allergikerfreundliche Insel Europas ausgezeichnet. Doch auch als gesunder Mensch kann man sich auf dem Eiland herrlich erholen.


Drei Leuchttürme und eine trubelige Strandpromenade

Es gibt auf Borkum nur einen Ort: Die Stadt Borkum ist staatlich anerkanntes Nordseeheilbad. Seit 1844 kommen die Kurgäste auf die Insel.

Hier leben rund 5300 Menschen (Stand 2019), im Jahr 2019 besuchten laut der Online-Statistik-Seite Statista etwa 308.000 Kur-, Urlaubs- und Tagesgäste die Insel. Borkum ist damit nach Norderney die zweitbeliebteste niedersächsische Nordseeinsel. An Borkums Strandpromenade ist es in der Hochsaison schon mal voll. Doch umso weiter man den Hauptstrand hinter sich lässt, umso leerer wird es.

Der 1911 erbaute Musikpavillon auf der Strandpromenade: Hier spielen in der Hauptsaison oft Künstler am geöffneten Fenster. Foto: Dr. Hans-Günther-Bernstein

Borkum hat drei Leuchttürme. Der auffälligste ist der neue Leuchtturm. Er steht seit 1879 mitten im Zentrum des Ortes auf einem Rasen-Plateau. Der restliche Ort scheint sich darum kreisförmig zu gruppieren. Die 308 Stufen lohnen sich auf jeden Fall: Die Aussicht ist fabelhaft. Im Sommer kann man auch zum Sonnenuntergang auf den Turm. Der Turmwärter ist recht gesprächig und verkürzt die derzeit coranabedingte Wartezeit mit ein paar netten Anekdoten.

Der neue Leuchtturm steht auf einer riesigen Fläche mitten im Inselstädtchen. Foto: Dr. Hans-Günther Bernstein

Der alte Leuchtturm liegt ganz idyllisch im nördlichen Teil des Inselstädtchens. Er ist der älteste Leuchtturm und zugleich das älteste Bauwerk aller Ostfriesischen Inseln. 1576 wurde dieser Turm gebaut. Er steht direkt am alten Friedhof und unweit des Heimatmuseums.

Der alte Leuchtturm in der Wilhelm Bakker-Straße. Foto: Susanne Schedwill

Milchreis, Fischbrötchen und spanische Tappas

Typisch für Borkum sind die Milchbuden am Strand. Am Nordstrand gibt sechs oder sieben Stück, am Südstrand zwei. Das sind traditionelle Imbissbuden. Früher haben die Borkumer hier an ihre Urlaubsgäste Quark, Dickmilch und Milchreis verkauft. Diese Speisen stehen auch heute noch auf der Speisekarte, mittlerweile aber auch Fischbrötchen, Krabbensuppe, Bratwurst, Nudeln, spanische Tappas und andere Sachen. Mit Kindern kann man hier sehr unkompliziert essen. Grundsätzlich ist auf der Insel für jeden Geldbeutel und jeden Geschmack etwas dabei, das gastronomische Angebot ist riesig.

Die Milchbuden am Nordstrand…Foto: Dr. Hans-Günther Bernstein

Borkum hat etwa 26 Kilometer Strand. Wobei der Nordstrand, der unmittelbar ans Inselstädtchen grenzt, im Sommer recht voll ist. Mir hat der Südstrand besser gefallen. Hier ist es entspannter und weniger eng. Es gibt zwei Milchbuden und einen Spielplatz direkt am Strand.

Weitläufiger und hier darf man auch Strandmuscheln aufbaucn: Der Südstrand auf Borkum. Foto: Susanne Schedwill
Am Nordstrand ist es voller. Die Strandzelte und Strandkörbe stehen eng an eng. Foto: Dr Hans-Günther Bernstein

130 Kilometer Radlerparadies

Borkum ist herrlich zum Radfahren: Es gibt 130 Kilometer ausgebaute und markierte Radwege. Wer nicht das eigene Rad mitbringen möchte, kann sich eins leihen: Im offiziellen Gastgebermagazin der Kur GmbH sind 15 Radverleiher ausgewiesen. Und klar kann man die 130 Kilometer auch zu Fuß erwandern.

Auf Borkum gibt es einige Hotels, vor allem aber Ferienwohnungen und Ferienhäuser: Alles konzentriert sich auf und um das Inselstädtchen. Ferienhäuser direkt in den Dünen gibt es auf Borkum nicht wirklich. Wer es trubelig mag, macht direkt in Borkum-Stadt Urlaub. Ruhiger ist es in Richtung Südstrand: Dort stehen in einer Art Vorort viele Ferienhäuser und -wohnungen, aber auch Einheimische wohnen hier.

Älteste Inselbahn Deutschlands

Ein Unikum ist die Borkumer Kleinbahn: Die Schmalspurbahn verbindet seit 1888 den Inselhafen mit dem Zentrum des Ortes und ist die älteste Inselbahn in Deutschland. Insgesamt umfasst das Streckennetz zirka 7,5 Kilometer mit drei Haltestellen und ist sogar zweigleisig. Die Inselbahn bringt die Touristen vom Fähranlager ins Inselinnere. Zusätzlich verkehren auch einige Busse.

Die Borkumer Kleinbahn bringt die Urlauber unkompliziert vom Anleger in den Inselort und hält an mehreren Haltestellen. Fotos: Dr. Hans-Günther Bernstein

Wie kommt man nach Borkum?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Mit der Fähre oder dem Katamaran ab Emden oder ab Eemshaven in den Niederlanden. Wenn ihr euer Auto oder das Fahrrad mit auf die Insel nehmen wollt, dann bleibt euch nur die Fähre. Die braucht ab Emden zwei Stunden, ab Eemshaven 50 Minuten bis zur Insel.

Der Katamaran ist deutlich schneller: Er fährt ab Emden eine Stunde, ab Eemshaven 25 Minuten, befördert aber nur Fußgänger.

Fährt etwa 2 Stunden ab Emden: Die Borkum-Fähre. Bild von Stefan Liening auf Pixabay

Braucht man auf Borkum ein Auto? Ich finde nicht. Denn zum einen kann man in der Haupsaison als Urlauber nur in bestimmten Inselbereichen fahren. Außerdem herrscht nachts zum Großteil Fahrverbot. Zum anderen ist die Insel so kompakt, dass man mit dem Rad alles super erreicht.

Geübte Borkumurlauber reisen oft mit riesigen Rollkoffern. Ich habe auch einige Familien gesehen, die ihre sieben Sachen für den Ferienhausurlaub zusätzlich mit einem Buggy transportiert haben. Wer als Fußgänger mit seinem Urlausgepäck auf die Insel kommt, kann am Anleger direkt in die Borkumer Kleinbahn steigen.

Wer sein Auto dennoch mitnehmen möchte, der sollte frühzeitig eine Fähre reservieren. Denn ab Emden fährt die nur zwei Mal am Tag.

Wer sein Auto stehen lassen möchte, kann  kostenpflichtig am Fährhafen parken und spart zumindest die rund 150 Euro Fährkosten für das Auto. Auch hier sollte man in der Hochsaison im Vorfeld einen Parkplatz reservieren.

Mein Borkum-Fazit

Borkum ist eine familienfreundliche Insel mit wunderschöner Natur. Vier Tage Kurzurlaub sind aber viel zu kurz, um alles Wichtige gesehen zu haben – so klein die Insel mit ihrem einen Ort auch ist. Kletterpark, Aquarium, Heimatmuseum und Gezeitenland haben wir beispielsweise nicht geschafft anzuschauen. Wir waren sicher nicht das letzte Mal auf Borkum. Und das nächste Mal bleiben wir einfach länger.

Was mir besonders gefallen hat: Ein Auto braucht man auf Borkum nicht. Man kann alles super per Rad erreichen, ob Strand, Supermarkt oder Sehenswürdigkeiten. Radverleihe gibt es gefühlt an jeder Ecke. Die Anreise als Fußgänger mit Fähre oder Katamaran in Kombination mit der Kleinbahn auf der Insel war erstaunlich bequem. Es ist eigentlich nie wirklich weit von der Haltestelle bis zur Unterkunft.

Was man wissen sollte: Wie auf vielen deutschen Inseln ist der Urlaub auf Borkum nicht ganz billig.

Hier erfahrt ihr mehr

Und ihr? Wart ihr schon mal auf der Nordseeinsel Borkum? Wenn ja, dann schreibt mir gern in den Kommentaren.

Der Text enthält Links auf andere Seiten und spiegelt meine subjektive Meinung. Für den Text habe ich kein Geld erhalten. Alles wurde selbst finanziert.

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