Besuch im Barockdorf Bendeleben: Nicht nur zur BUGA schön

Vögel zwitschern aufgeregt durcheinander. EineTaube, die auf dem schiefen Turm der Kirche Sankt Pankratius sitzt, wirft ihr rhythmisches Guru dazwischen. Irgendwo im Dorf knattert ein Moped durch die Straßen und vom benachbarten Kindergarten schwappt – mal lauter, mal leiser – Kindergeschrei. Wer auf einer der Bänke im Lustgarten der Orangerie in Bendeleben sitzt, der kann dieser typischen dörflichen Idylle lauschen und fühlt sich trotzdem wohlig entrückt – nicht in Nordthüringen, nicht am Kyffhäusergebirge. Eher irgendwo im Süden.

Oleander und auch einige mannshohe Palmen flankieren den Eingang zur Orangerie, die mit ihrem 1,6 Hektar großen Lustgarten plötzlich mitten in dem kleinen Dorf auftaucht. Zwei Sphinxen wachen an der Freitreppe, die von der 1770 erbauten Orangerie hinunter in den Lustgarten führt. Jetzt, im Frühjahr, sind die unzähligen Lavendelbüsche noch grau und unansehnlich. Doch im Sommer muss es hier intensiv duften.

Freiherr Johann Jacob von Uckermann ließ das barocke Gebäude erbauen. Wer es sich leisten konnte, der züchtete damals im 18. Jahrhundert Südfrüchte. Und Uckermann konnte es sich leisten, auch der Fürst zu Schwarzburg-Sondershausen machte sich des Öfteren auf den Weg von Sondershausen ins nur wenige Kilometer entfernte Bendeleben. Der Fürst genoss nicht nur die besondere Atmosphäre, er wird wohl auch die ein oder andere Südfrucht zu sich genommen haben.

Uckermann ist es zu verdanken, dass am Fuße des Kyffhäusergebirges eine der letzten Orangerien im Rokoko-Stil steht.  Besonders auffällig sind die vollständig verglasten Wandflächen und die weiß gestrichenen, hölzernen Hohlspiegel im Dach. Sie dienen als Sonnenfang. In der Orangerie überwintern übrigens exotische Kübelpflanzen, auch die des Sondershäuser Schlossparks. Im Festsaal der Orangerie kann man zu normalen Zeiten heiraten.

Schlosspark mit sieben Teichen

Ein weiteres Highlight in Bendeleben ist das von der Orangerie mit Lustgarten nur wenige hundert Meter entfernte Barock-Ensemble aus Gutshof, Uckermannschen Schloss und zahlreichen Wohnhäusern, die alle die typischen Doppelwalmdächer tragen. Der 21 Hektar große Schlosspark mit seinen sieben Teichen schließt sich an. Er zählt zu den ältesten Landschaftsparks in Deutschland.

Der Park wurde ebenso von Freiherr von Uckermann angelegt wie auch die Orangerie. Am Inselsteich können Gäste Freiherr von Uckermann übrigens wieder begegnen, wie auch seinem Bekannten Daniel August Schwarzkopf.

Der war Hofgärtner und Garteninspektor und soll den Schlosspark geplant haben. Beweise gibt es dafür nicht, aber Indizien. Uckermann  (roter Frack) und Schwarzkopf (von hinten, blauer Frack) waren befreundet und so liegt es doch nahe, dass es Schwarzkopf war, der den Schlossgarten in Bendeleben geplant hat. Uckermann ließ diesen ab 1765 anlegen.  

Der Künstler Benno Busch vom sehr engagierten Denkmal- und Geschichtsverein „Barockes Bendeleben“ hat die beiden Herren als lebensgroße Figuren  wieder in den Park geholt. Sie dienen jetzt, wie auch ein weiterer Bediensteter Uckermanns, als Fotomotive für die Besucher.

Und die können den Park auch auf eigene Faust erkunden. Es gibt nämlich sieben Informationstafeln zu entdecken, auf denen alles Wissenswerte über den Park zu lesen ist.  

Sehenswert ist auch der Originalnachbau des Badehauses, das in den 1920er Jahren errichtet worden war und in den 1960ern abgerissen wurde.  

Auch das römische Bad, das über einen verwunschenen Pfad zu erreichen ist, sollte man besuchen. Früher wurde darin tatsächlich gebadet. Heute ist es vor allem eine hübsch anzusehende Wasserkaskade.

Die Coronapandemie bremst natürlich auch in Bendeleben die Buga-Pläne etwas aus. So sind vorerst keine Veranstaltungen und Führungen geplant. Aber schon ab Mai können Besucher das Gelände per Audioguide in Eigenregie erkunden. Im Sommer soll zudem in der Orangerie  eine Ausstellung über das Barockdorf zu sehen sein.  

Wie kommt ihr hin?

Bendeleben erreicht ihr am besten per Auto. Die Gäste finden im Ort drei Parkplätze: Direkt gegenüber der Orangerie, in der Kirchstraße und am Schlosspark in der Bachstraße.

Wenn ihr euch im Vorfeld schon etwas über Bendeleben informieren wollt, dann lege ich euch die Internetseite der Gemeinde Kyffhäuserland ans Herz.

Weitere BUGA-Außenstandorte im Südharz

Außerdem lohnt sich ein Abstecher nach Nordhausen. Dort ist der Villenpark Hohenrode ebenfalls Außenstandort der Buga. Auch der Villenpark ist freizugänglich.

Weiterhin ist auch das Rosarium in Sangerhausen ein Außenstandort der Buga. Ab 1. Mai ist der Rosenpark wieder täglich von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet. Allerdings gibt es dort einige Zugangsbeschränkungen, unter anderem einen Coronatest. Alles Wichtige dazu findet ihr auf der Seite des Rosariums.

Die Buga läuft übrigens noch bis 10. Oktober dieses Jahres.

Wart ihr schon einmal in Bendeleben? Dann schreibt mir doch gern dazu in den Kommentaren.


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2 Comments

  1. Bärbel Biermann said:

    Liebe Susanne, im Sommer 2019 besuchte ich dieses kleine Barockdorf mit meiner Fahrradtruppe, um eigentlich unsere mitgebrachten Äpfel in der dortigen Orangerie bestimmen zu lassen.
    Nachdem unsere Äpfel Namen hatten, sahen wir uns noch die Sehenswürdigkeiten an, die diesen Ort ausmachen!
    Einfach wunderschön und sehr zu empfehlen.
    Gruß BB

    27. April 2021
    Reply
    • Liebe Bärbel,

      danke für deinen Kommentar. Ich war tatsächlich das erste Mal dort und bin ganz begeistert. VG Susanne

      27. April 2021

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